| PFT-Prozess gestartet | | |
| Geschrieben von: Praktikant |
Prozessauftakt um PFT-Funde im Trinkwasser Im Paderborner Landgericht hat einer der größten Prozesse der vergangenen Jahre begonnen. Aufgeklärt werden soll ein Umweltskandal der einen Millionenschaden verursacht hat. Sechs Angeklagte aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien müssen sich seit Donnerstag, dem 12.01.2012 vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen 2003 und 2006 mit giftigen Klärschlämmen versetzte Bodenverbesserer an Bauern im Sauerland verkauft zu haben. Die 80.000 Tonnen Klärschlämme und Chemieabfälle wurden von Firmen aus Belgien und den Niederlanden ins Sauerland importiert und dort durch das mittlerweile insolvente Unternehmen GW Umwelt an die Bauern unter dem Markennamen „TerraTop“ und „TerraAktiv“ vermarktet. Eines der Gifte, das in den verkauften Bodenverbesserer war, waren Perfluorierte Tenside, kurz PFT. PFT baut sich in der Natur nicht ab und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Von den Feldern des Sauerlands gelangte das PFT in die Ruhr, ihre Nebenflüsse und die großen Wasserspeicher wie den Möhnesee. Die Folge: Hunderttausende Menschen an der Ruhr wurden über das Trinkwasser mit Gift belastet und Millionenbeträge mussten vom Steuer- und Gebührenzahler für die Bewältigung ausgegeben werden. Bis heute sind in Folge des Skandals Wasserwerke abgeschaltet. In Arnsberg war das Wasser zeitweise so hoch belastet, dass die Stadtwerke abgepacktes Trinkwasser für Säuglinge und Schwangere austeilten. Aktiv wurden die Behörden erst, als 2006 höhere PFT-Werte im Trinkwasser gemessen wurden.Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) richtete damals Strafanzeige gegen die Paderborner Firma GW Umwelt nach der es endlich zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen kam. Bis zu fünf Jahre Haft und Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe können nun auf die Angeklagten zukommen, sollte das Gericht sie schuldig sprechen. Der BUND fordert in einer Pressemitteilung weitergehende Konsequenzen aus dem PFT Skandal: Dazu sagt der Landesvorsitzende Paul Kröfges: „Es gilt, dass zuerst an der Quelle anzusetzen ist, d.h. die Verwendung und Freisetzung dieser Chemikalien zurückzudrängen. Da dies nicht unmittelbar wirksam wird, muss es endlich - statt zeitweiliger Aktivkohlepulverdosierung - bei allen Wasserwerken an der Ruhr eine Aktivkohle-Festbettstufe geben, die dauerhaft mit betrieben wird. Diese ist das beste Mittel zur Entfernung von Problemchemikalien.“ Nach Einschätzung des BUND, der diese Forderung seit langem mit Nachdruck vertritt, sind die betroffenen Wasserversorger dazu bereit, der Anstoß hierzu müsse jedoch aus Düsseldorf gegeben werden. |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. Januar 2012 um 12:25 Uhr |



